Die Anderen

Die Anderen

Eines Abends wird Noras Vater auf der Straße vor seinem Diner in der Kalifornischen Wüste angefahren und getötet. Der Fahrer begeht Fahrerflucht und es gibt nur einen Zeugen, der sich jedoch scheut, bei der Polizei eine Aussage zu machen.
Für Nora steht fest: Es war kein Unfall und sie schwört sich, den Schuldigen zu finden. Unterstützung erhofft sie sich von ihrem alten Jugendfreund Jeremy. Gemeinsam graben die beiden sich tiefer in das Leben des Verstorbenen.

Was klingt wie ein Krimi, ist vielmehr ein spannender Gesellschaftsroman, der das Leben der Bewohner der Mojave-Wüste beschreibt, ein Ort, an den es viele Einwanderer gezogen hat und an dem verschiedene Kulturen aufeianderprallen.

Die Schreibweise des Buches aus verschiedenen Sichtweisen ermöglicht einen besonderen Einblick in das Seelenleben seiner Protagonisten und am Ende wird natürlich auch der Unfall aufgekärt…

 

Kleine Freiheit

Kleine Freiheit

Die 40jährige Richterin Saskia hat zwei Söhne und ist schon einige Jahre in Elternzeit. Sie und ihr Mann möchten ihren Kindern eine BIlderbuch-Kindheit à la Bullerbü bieten. Ihre eigene Kindheit war das genaue Gegenteil. Saskia und ihre Schwester sind bei ihrem Vater aufgewachsen, einem Alt-68er, der mit den Kindern durch die buntesten WGs gezogen ist. Feste Abläufe und Regeln waren verpönt. Als in der Nähe ihres Hauses ein Windpark geplant wird, engagiert sich Saskia in einer Bürgerbewegung und trifft dort auf Joachim von Wedekamp, der versucht, sie mit seiner väterlich-höflichen Art für seine konservativen, rechten Ideen zu gewinnen.

Dies ist ein großartiger Roman über eine Vater-Tochter-Beziehung und die Auseinandersetzung im Erwachsenenalter mit der eigenen Kindheit. Wir hoffen, bald mehr von Nicola Kabel lesen zu dürfen.

 

 

 

Mädchen, Frau, etc.

Mädchen, Frau, etc.

Die britische Autorin Bernardine Evaristo hat einen beeindruckenden Roman geschrieben, der 2019 den renommierten Booker Prize erhalten hat. Das Buch erzählt von zwölf schwarzen Frauen in Großbritannien, ihrem Leben, ihren Träumen, ihren Erfolgen und Niederlagen. Die Frauen sind unterschiedlich, sie sind sehr jung oder sehr alt, Studentin, Putzfrau oder Topmanagerin. Ihre Leben berühren sich punktuell, sind miteinander verwoben. Dabei geht es auch um Rassismus, aber ebenso um Herkunft und Identität, das Fremdsein im eigenen Land, um ihre Rolle als Frau, Tochter, Mutter und Geliebte.

Die Erzählweise ist ungewöhnlich – die Autorin setzt nur einen Punkt am Ende jedes Kapitels. Das fügt dem Lesefluss jedoch keinen Schaden zu, im Gegenteil: Das Buch entwickelt nach wenigen Seiten einen unwiderstehlichen Sog und sprüht vor Lebenslust und Energie – einfach toll!

 

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

Über vier Generationen begleiten wir in diesem Roman Hannahs Familie:

Mit 27 Jahren kümmert sie sich liebevoll um ihre doch recht anstrengende Großmutter. Als Hannah einen Brief aus Israel erhält, in dem ihr die Erbschaft eines echten Vermeers angekündigt wird, hat sie eine Menge Fragen, doch ihre Großmutter hüllt sich in Schweigen.

Hannah lässt aber nicht locker und beschäftigt sich statt mit ihrer anstehenden Promotion viel lieber mit ihrer Familiengeschichte.

Alena Schröder schlägt in ihrem großartigen Debütroman einen Bogen von den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts bis in die heutige Zeit und geht dabei vor allem der Frage nach, wie dieses bedeutende Bild aus ehemals jüdischem Besitz in Hannahs Familie gekommen ist.

Ein unheimlich fesselnder Roman, inspiriert von der eigenen Familiengeschichte der Autorin.